Live Review: FEINE SAHNE FISCHFILET // support: WAVING THE GUNS / PFANDFLASCHENKOMMANDO

Feine Sahne Fischfilet // Waving the Guns // Pfandflaschenkommando, 27.02.2015, Kassablanca Jena

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(Screenshot zur Sause im Kassa von der Facebook-Seite von Feine Sahne Fischfilet)

Gleich vorneweg: was für ein unglaublicher Abriss der Hütte! Eskalation, Ekstase, bunter Rauch und Stagediving vom Allerfeinsten! Selten so eine wilde Meute gesehen. Doch der Reihe nach.

Vor etwas mehr als einem Monat erschien das neue Album „Bleiben oder Gehen“ der Mecklenburg-Vorpommerer Feine Sahne Fischfilet auf Audiolith Records. Zu hören gibt es eine musikalisch ausnahmslos gute Platte, die für meine Ohren gar nicht mal so derbe nach vorne geht, sondern durchaus mit vielen Melodien zu überzeugen weiß. Aber für schrammeligen Punk waren FSF ja noch nie bekannt. Textlich ist das Album sowieso ganz weit vorne. Freundschaft, Liebe und deren Kummer, Wut, Sorgen, Ängste – und immer die Aussicht darauf, dass am Ende alles gut wird. Lohnt sich ganz ohne Zweifel!

Wie das nun nach einem Albumrelease so ist: man geht auf Tour. Feine Sahne Fischfilet machen das zur Freude vieler ihrer Hörer natürlich auch und haben sich als Support befreundete Bands eingepackt, die auf der Konzertreise immer mal durchwechseln. In Jena waren Waving the Guns dabei, die ich allerdings verpasst habe. Als diese spielten stand ich noch vor der Tür, hab mir die Zeit vertrieben und an meinem Bier rumgenuckelt – irgendwie hatte ich bei dem großen Andrang vorm Kassablanca keine Lust auf stundenlanges warten an der Garderobe. Und das war auch eine ganz gute Entscheidung bei ausverkauftem Hause. Waving the Guns hole ich aber irgendwann nochmal nach, versprochen! Denn eigentlich gilt: support the Vorband! Shame on me.

Davor spielten noch die Lokalpunker vom Pfandflaschenkommando, aber wie gesagt – verpasst. Aber auch diese sehe ich sicher auf den diversen Punkkonzerten hier in Jena nochmal. Nämlich sollte auch hier gelten: support the Vorband of the Vorband! Die freuen sich ja auch, da spielen zu dürfen! Once again shame on me. Jedenfalls habe ich von keiner der Bands etwas Negatives gehört, wird also gepasst haben.

Das Publikum war alterstechnisch bunt gemischt. Von jungen Hüpfern, die nach Konzertende von den Erziehungsberechtigten abgeholt wurden, bis hin zu Musikliebhabern älteren Semesters war alles dabei. Klar habe ich mit meinen 35 Jahren den Altersdurchschnitt ein bisschen nach oben gedrückt, aber wenigstens war ich damit nicht alleine. Alles in allem ganz angenehm.

An die Bar zu gelangen versuchte ich erst gar nicht, dieses Unterfangen war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Diese Massen! Nein, dann lieber ein Kräuterbonbon zwischendurch als Surrogat zum Pfefferminzlikör. Geht auch.

Nun aber zur Band des Abends. FSF legten also los  – und das Kassablanca drehte durch. Alter Verwalter! Pogo ab der ersten Minute. Stagediving bei ausnahmslos jedem Lied in Hülle und Fülle. Fliegende Bierbecher. Konfettikanonen. Ein sich fast prügelnder Sänger Monchi, der einen Bühnenbesucher etwas derber auffordern musste, wenigstens diese Fläche doch bitte für die Band zu lassen – und der wollte natürlich nicht. Rauchbomben. Blut und Schweiss. Verlorene Schuhe und Handys. Ganz ganz großes Kino!

Highlight: Monchi beim stagediven von der Empore. Wer das Kassablanca Jena kennt, der weiß wie hoch die ist. Ich schätze mal vom Konzertsaal bis zum Boden der Empore mindestens drei Meter fünfundsiebzich, aber wahrscheinlich noch mehr. Ich bin in solchen Schätzungen nicht sonderlich gut. Klingt jetzt vielleicht auch nicht nach viel – nur wenn sich da einer runterwirft, der von der Statur her nicht gerade Iggy Pop ist, sondern eher Gardemaße fürs Schwergewichtsboxen hat, dann wird das schon mal spannend. Aber alles ging glatt, zumindest musste der neben mir stehende Sanitäter nicht eingreifen. Kurz blass ist er aber schon geworden.

Collage_FSF

(Monchi im Anflug und Monchi gelandet)

Apropos Sanitäter, die sehe ich sonst im Kassablanca eigentlich nie auf Konzerten. Aber in weiser Voraussicht der Locationbetreiber waren die Mädels und Jungs vor Ort und mussten hier und da auch mal ein Pflaster rausrücken. Good Job Kassa! (So etwas sagt man wohl auch nur, wenn man schon 35 ist…)

Allein das Konzert wäre mir schon 9/10 Punkte in meiner rein subjektiven Vergabe wert gewesen. Aber ich vergebe die volle Punktzahl wegen der Zwischenansagen der Band. Zum einen, weil ich durchaus viele emotionale Anliegen des Sängers gehört habe, der nicht müde wurde der JG-Stadtmitte Jena für ihre Unterstützung im Persönlichen und ihre Arbeit im Allgemeinen zu Danken. Zum anderen hat Monchi die Besucher auch ohne Scheu darauf hingewiesen hat, dass es ja schön und gut ist, wenn alle „Alerta! Alerta! Antifascista!“ während des Konzertes brüllen – es allerdings spätestens dann peinlich wird, wenn die Aussage im Rahmen dieses Abends stecken bleibt. Sinngemäß aus meinem Gedächtnis zitiert: „Engagiert Euch! Geht auf Demos! Oder spendet! Oder unterstützt Flüchtlinge! Oder schreibt etwas in Euren Blog! Nur macht etwas, damit es anders wird!“ Punk als alleiniger Modebegriff oder Lifestyle reicht eben doch nicht aus.

Fazit: 10 von 10 Punkten!

Wer noch zu den restlichen Konzerten gehen möchte, hier die Daten (durchgestrichen ist nach jetzigem Stand bereits ausverkauft).

06.03.2015: Münster – Skaters Palace; 07.03.2015: Leipzig – Täubchenthal; 13.03.2015 Oberhausen – Druckluft; 14.03.2015: Düsseldorf – Zakk; 20.03.2015: München – Hansa 39; 21.03.2015: Nürnberg – Löwensaal; 27.03.2015: Bremen – Schlachthof; 28.03.2015: Frankfurt – Koz; 10.04.2015: Stuttgart – LKA Longhorn; 11.04.2015: Basel (Ch) – Hirscheneck; 25.04.2014: Bern (Ch) – Rössli

(Disclaimer, weil immer alle gleich versteckte Werbung rufen: no money oder Sonstiges for me für dieses Review und die Hinweise auf die Tourdaten. Weder von der Band, noch von Audiolith, noch vom Kassablanca. Just because I liked it!)

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